Amerikanische Alligatorhechte sollen zukünftig in deutschen Gewässern eine wichtige Rolle spielen. Die Regierungsbezirke Karlsruhe und Freiburg im Breisgau wollen mit Hilfe des Raubfisches innovative Wege im Naturschutz beschreiten. Ziel ist es, die in vielen Baggerseen und Altrheinarmen extrem stark vermehrten Giebel (Carassius gibelio) zu dezimieren. Diese Aufgabe sollen nun Alligatorhechte (Atractosteus spatula) übernehmen. Die Fische kommen eigentlich in dem Stromgebiet des Mississippi (USA) vor.
Alligatorhechte: Starke Esser gegen wilde Vermehrer
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Alligatorhecht (hier ein Foto aus dem Taubergießen). Im Hintergrund ein ebenso invasiver Sonnenbarsch.
Wissenschaftler der Universitäten Stuttgart und Bad Salzuflen werteten dazu Daten aus, die bei der Bekämpfung der invasiven Giebel (engl.: „Prussian Carp“) im Norden der USA und im Süden Kanadas erhoben wurden. Maßgeblich daran beteiligt waren die Universitäten Arkham und Innsmouth. Es wurde dort eindeutig festgestellt, dass die bis zu 3 m langen und knapp 130 kg schwer werdenden Knochenganoiden sehr effektiv die Giebelpopulationen dezimieren können. Aufgrund der Größe der Alligatorhechte ist das Fassungsvermögen ihrer Mägen um etwa 500% größer als das des heimischen Hechtes (Esox lucius). Die Folge ist, dass sie in gleicher Zeiteinheit erheblich mehr Giebel fressen können als unser Meister Esox.
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Giebel sind fast ausschließlich weiblich, weil sie zur Fortpflanzung kein männliches Pendant brauchen. Das Problem: Dadurch vermehren sich die Giebel in vielen Gewässern übermäßig stark!
Die Kasse klingelt: Alligatorhecht-Tourismusboom erwartet
Alligatorhechte sind nicht nur schlecht für Giebel, sie sind scheinbar auch gut für die Kasse. In den USA und Kanada verbuchte die Tourismusindustrie in den Regionen, wo der Alligatorhecht zur Giebelbekämpfung eingesetzt wurde, einen massiven Anstieg der Übernachtungszahlen um ganze 34,87%. In den Anglerkreisen hatten sich die Aussichten auf einen „Megafang“ herumgesprochen. Auch in den Regierungsbezirken Freiburg und Karlsruhe erhofft man sich nun einen Anstieg der Touristenzahlen durch fangwillige Angler. Die Einnahmen aus den Angelscheinverkäufen, Fischereiabgaben und Übernachtungen, sowie dem Verleih von speziellem Gerät zum Fang der riesigen Raubfische sollen dann im weiteren Verlauf der Aktion für den Ankauf und Transport weiterer Alligatorhechte dienen.
Fischfresser müssen nun weichen!
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Großes Problem: Der Kormoran liebt Alligatorhechte! Um Verluste bei Neubesatz zu minimieren, soll der Kormoran in den betreffenden Regionen zukünftig stark bejagt werden.
Einen Wermutstropfden hat die erfolgreiche Bekämpfung der Giebel – allerdings nur für die Freunde der befiederten und bepelzten Tierwelt. Um die finanziellen Verluste beim Neubesatz der Alligatorhechte zu minimieren (ein etwa 1,50 m langer Alligatorhecht kostet inklusive Transport und Importzoll etwa 2.500 €), wird die Jagdzeit auf Kormorane und Fischotter entsprechend auf 365 Tage im Jahr ausgeweitet.
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