Paradebeispiel Ybbs: Kein Besatz – kein Problem!

Bestände aus wirklich wilden Fischen, ganz ohne Besatz, sind im deutschen Sprachraum selten. Die Ybbs bei Amstetten gehört zu den wenigen Gewässern mit ausschließlich wilden Fischen! Sepp Prantler hat sich das besondere Gewässer einmal angeschaut.

Bild: Adobe Stock / Kaufi

Die meisten Gewässer werden jedes Jahr mit Zuchtfischen besetzt. Dass es auch anders geht, zeigt Bewirtschafter und Biologe Stefan Guttmann eindrucksvoll an der Ybbs.

Es ist der Bewirtschafter der Ybbs, Stefan Guttmann, den ich ans Wasser begleite. Oberflächenaktivität ist keine zu erkennen. Er befischt die Flachwasserstrecke vor dem renaturierten Abschnitt mit der Nymphe ohne einen Biss. Danach gehen wir vor der Insel an den tieferen rechten Seitenzug. Mit einem vollendeten Einhand-Speycast gelingt es ihm, die Fliege perfekt auf den vermuteten Standplatz zutreiben zu lassen. Nichts tut sich. Erneuter Wurf, diesmal etwas weiter. Wieder passt die Drift – und wieder kein Biss. Das wiederholt sich noch einige Male, bis wir nahe an einen Bereich mit flacherem Wasser kommen.

Stefan hebt die Rute, der Fisch hängt. Schnell zeigt sich eine Äsche im Drill. Geschickt nutzt sie die Strömung. Der Fisch weiß, was er tut. Aber Haken und Vorfach halten, Stefan pariert gekonnt alle Tricks des Fisches, führt ihn in flacheres Wasser und kann eine stattliche Äsche mit 43 Zentimetern im elegant grau-grünen Farbkleid landen. Ohne die wohlproportionierte Äsche anzufassen, löst er den ganz vorne sitzenden Haken und entlässt sie wieder in ihr Element. Mit kräftigen Flossenschlägen schwimmt sie davon. Der Höhepunkt des Fischtages! An der idyllisch renaturierten Strecke gelingen ihm dann noch einige weitere Fänge von Äschen, Döbeln und einer stattlichen Regenbogenforelle.

Bild: S. Prantler

Die Renaturierung hat sich gelohnt: Mittlerweile sind die Bestände wieder richtig gut und auch einige kapitale Äschen und Barben finden sich im Gewässer.

Natur pur und Vielfalt satt

Trotz des zu der Zeit eher kaltem Wetter und höherem Wasserstand ein rundum erfolgreicher Fischtag. Das schönste Gefühl für mich aber war, dass hier auf reine Wildfische geangelt wird. Ein Privileg, das nicht hoch genug zu schätzen ist! Ein im Fluss geborener und aufgewachsener Fisch zum Abendessen ist ein ganz besonderer kulinarischer Hochgenuss.

„Die Ybbs kann schon launisch sein. Es gibt Tage, da fange auch ich mal keinen Fisch, obwohl ich das Wasser seit Jahren gut kenne. An anderen Tagen geht es Schlag auf Schlag und man kann viele unterschiedliche Fischarten an den Haken bringen, in der Mehrzahl Äschen“, sagt Stefan Guttmann dazu.

Meiner Meinung nach macht auch die Möglichkeit, so viele unterschiedliche Fischarten mit der Fliege fangen zu können, die Reviere der Ybbs bei Amstetten so spannend. Mit den kapitalen Barben, die ich sehen konnte, habe ich noch eine Rechnung offen. Der gute Bestand an Äschen, die auch mal die 50 Zentimeter knacken, verspricht eine schöne Herbstfischerei, die ich so sehr liebe.

Die Ybbs: Ein Fluss im Wandel

Wie in unseren Breiten leider üblich, blieb vom einstigen idyllischen Fluss praktisch nichts mehr so, wie es einst mal war. Am oberen Ende der Strecke ist ein Kraftwerk, im unteren Drittel gibt es ein großes Ausleitungswehr und der Rest des Flusses ist teilweise kanalisiert.

Bild: S. Prantler

Am oberen Ende des Gewässerabschnitts befindet sich ein Kraftwerk, im unteren Drittel ein großes Ausleitungskraftwerk (unten zu sehen). Äsche, Huchen und Barbe fühlen sich trotzdem wohl in der Ybbs!

Jedenfalls ist der Fluss weit davon entfernt so auszusehen, wie man sich ein Gewässer mit guten und sich selbst reproduzierenden Wildfischbeständen ohne jegliche Besatzmaßnahmen vorstellt. Aber genau das haben engagierte Fischereibiologen geschafft. Die Ybbs hat sogar einen sehr guten Bestand an Äschen, Barben, Döbeln, Regenbogenforellen und sogar Huchen. Und dazu noch viele andere Fischarten. All diese Fische vermehren sich selbst und sorgen für stabile, gute Bestände – ganz ohne Besatzfische! „Oder gerade weil keine Besatzmaßnahmen vorgenommen werden“, wie Stefan Guttmann überzeugt ist.

Die Äsche ist nun wieder sehr häufig!

Das Gewässer ist der unteren Äschen- und oberen Barbenregion zuzuordnen. Besonders erfreulich ist, dass die Leitfische für diese Region tatsächlich auch die am meisten vorkommenden Fische in der Ybbs sind. Die Äsche mit der höchsten Individuendichte, gefolgt von der Barbe. Wo sonst gibt es noch einen seit Jahren stabilen, sich selbst erhaltenden guten Äschenbestand, trotz der auch hier hohen Predatorendichte?

Bild: Die Bewirtschafter

Einige Strecken der Ybbs sind – wie so viele Gewässer hierzulande – kanalisiert. Dennoch beherbergt der Fluss einen sich selbst erhaltenden Bestand an Wildfischen.

Ein Teilstück der Ybbs wurde mittlerweile wieder erfolgreich renaturiert. Dort schaut der Fluss so aus, wie er früher vielleicht mal war. Alleine diese Strecke ist es Wert, der Ybbs einen Besuch abzustatten.

Vom grünen Tisch zum Best Practice-Beispiel

Stefan Guttmann ist hauptberuflich Biologe und ehrenamtlicher Bewirtschafter der Ybbs. „Ihr seid ja reine Schreibtischtäter und wollt uns erklären, wie man Gewässer ohne Besatz bewirtschaften kann?“, hörte er oft von Gewässer-Bewirtschaftern, die er beraten sollte. Also hat er zusammen mit anderen Fischereibiologen in der Praxis bewiesen, dass der Aufbau und Erhalt von natürlichen und sich selbst reproduzierenden Beständen heimischer Fische ohne Besatz auch an Gewässern möglich sind, die recht stark verbaut wurden. „Wenn bei uns an der Ybbs eine erfolgreiche Bewirtschaftung ohne Besatz möglich ist, dann geht das auch in vielen anderen Gewässern. Man muss nur den Mut haben, das umzusetzen“, ist Stefan überzeugt.

Bild: S. Prantler

Stefan Guttmann stieß auf Gegenwind, nicht viele glaubten an seine Idee der Gewässerbewirtschaftung ohne Besatz – bis er sein Vorhaben in die Tat umsetzte und zeigte, dass es eben doch geht!

Die Ybbs im Überblick

  • Die drei Reviere der Ybbs haben mit Nebengewässern eine Länge von etwa 10 km. Tageskarten gibt es limitiert vom 16. März bis 31. Oktober für einzelne Reviere oder für alle zusammen zum Preis von 65 – 85 €/Tag.
  • Die Entnahmeregelungen werden jedes Jahr entsprechend dem Zuwachs der vorangegangenen Jahre festgelegt. Das wird durch jährlich erhobene Bestandsdaten möglich.
  • Derzeit gilt: Die Entnahme von 2 Fischen ist erlaubt (teilweise durch Entnahmefenster geregelt). Äschen, Bachforellen und Huchen sind ganzjährig geschont.
  • Lizenzen und weitere Infos: https://www.diebewirtschafter.at/ybbs

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