Meerforellen gehören zu den faszinierendsten Zielfischen an unseren Küsten. Sie sind kraftvoll, wunderschön gezeichnet, ständig in Bewegung – und alles andere als leicht zu fangen. Wer mit der Fliegenrute auf Meerforelle fischt, weiß: Hier geht es nicht nur um Technik, sondern auch um Geduld, Erfahrung und das Vertrauen ins eigene Vorgehen.
Wie weit muss ich eigentlich werfen?
Als Fliegenfischer gehört ein Szenario an der Küste zum Alltag: Es zeigen sich rollende, springende, raubende Fische – nur leider außerhalb der eigenen Wurfweite. Während der spinnfischende Kollege schon zum extra-schweren Blinker greift, hilft uns selbst der Spezial-Schusskopf mit dünner Runningline oft nicht mehr weiter. Und wenn dann noch der Wind mit 30 km/h ins Gesicht bläst, fragt man sich unweigerlich: „Was mache ich hier eigentlich?“
Bild: P. Corzilius
Bei starkem Seewind hilft nur noch der Beach Cast, also das Werfen Richtung Ufer und das Ablegen beim Rückschwung. Oder man fischt parallel zum Ufer, denn die Meerforellen kommen bei solchen Bedingungen dicht unter Land!
Doch genau in solchen Momenten hilft ein Perspektivwechsel: Statt weiter auf Reichweite zu setzen, lohnt es sich, die Strategie anzupassen – zum Beispiel durch das Fischen parallel zum Ufer oder das Präsentieren der Fliege im Flachwasser. In nur 70 cm tiefem Wasser kam der erste Biss des Tages – auf vierfacher Rutenlänge. Ein Beweis dafür, dass die Meerforellen oft viel näher stehen, als man denkt.
Muster und Platzwahl beim Fliegenfischen auf Meerforelle
Auch beim Fliegenmuster gilt: Weniger ist oft mehr. Statt ständig zwischen Shrimp, Tangläufer, Pattegrisen oder Baitfish zu wechseln, hilft Vertrauen in das eigene Muster. Denn wer weniger knotet, fischt mehr – und wer mehr fischt, fängt öfter.
Ähnlich bei der Platzwahl: Es gibt Küstenangler, die ständig neue Strände anfahren – und andere, die stundenlang ein kleines Stückchen Rinne abfischen. Beide Taktiken haben ihre Berechtigung. Wichtig ist, dass man mit Konzentration und Überzeugung bei der Sache bleibt. Denn: Wer seinem Platz vertraut, fischt ruhiger – und wer ruhiger fischt, fängt besser.
Gerade bei „schlechtem“ Wetter – Trübung, Wind, kabbeliges Wasser – stehen die Chancen oft besonders gut. Die Meerforelle nutzt die Unruhe zur Tarnung und geht auch in Ufernähe auf Nahrungssuche. Dann lohnt es sich, dranzubleiben – auch wenn die Finger klamm sind und die Wathose langsam Wasser zieht.
Am Ende zeigt sich: Es sind nicht immer die perfekten Würfe, das modernste Gerät oder der präziseste Knoten, die den Unterschied machen. Sondern: Aufmerksamkeit, Anpassung – und die Liebe zum Detail.
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