warum müssen Angler MORGENS so früh aufstehen?

  • Hallo,
    Ich studiere Kommunikationsdesign und muss im Rahmen meines neuen Projektes über einen Angler schreiben unter dem Motto "Frühaufsteher" auf den das Sprichwort, "Der frühe Vogel fängt den Wurm"zielt. Bitte hilft mir und schreibt mir eure Erlebnisse, Geschichten oder was fasziniert euch an euerm Hobby/Beruf bzw. was fasziniert euch als Angler am frühen MORGEN???
    Was ist das besondere am frühen morgen?

  • Der gewichtigste Grund zum frühen Aufstehen ist wohl, dass in der Morgendämmerung viele Fische auf Nahrrungssuche sind und daher die Fangerwartung höher ist.


    Ein anderer ist, dass man der Natur beim Erwachen zusehen kann und einen herrlichen Sonnenaufgang erleben darf.

  • Wieso tut man sich das an?


    Im frühen Morgengrauen piept das kleine elektronische Mistding, genannt Wecker. Man quält sich mit halboffenen Augen aus dem Bett, das einen eigentlich gar nicht loslassen möchte. Anschließend schleppt man sich vom Bad in die Küche, macht Kaffee, in der Hoffnung es möge endlich Leben in den Körper kommen und schmiert sich ein Frühstücksbrot. Wider Erwarten kommt man doch in Wallung und belädt sein Vehikel mit den am Vorabend sorgsam zusammengesuchten Angelgeräten, Taschen, Kescher, Ruten, Schirm, Stuhl und was weiß ich nicht noch alles…


    Leider meint es auch an diesem Tag St. Petrus nicht gut mit seinem getreuen Jünger. Es regnet nicht, nein es gießt aus vollen Eimern! Der tagelang vorbereitete Angelplatz ist von einem nassauernden Kollegen besetzt und die Köder liegen auch noch in der Garage. - Pfui, böse Gedanken!


    Sicherlich gibt es solche Tage, die nach den Gesetzen des Murphy verlaufen, aber die sind doch Gottlob die Ausnahme. Egal wie früh der Wecker auch klingelt, wir sind aus dem Bett wie der Blitz. Und wach sind wir, wie man es sich um diese Stunde niemand vorstellen kann. In Rekordzeit ist alles gemacht, man sitzt im Auto und ist beinahe schon am Wasser. Mit dieser Tempoleistung hätte man bei der Feuerwehr längst Ruhm und Ehre erworben. Das hat natürlich alles seinen Grund. Es geht zum Angeln! Weg vom Alltag, weg von allen großen und kleinen Problemen. Wer das nicht selbst erlebt hat, der wird’s auch schwer, oder gar nicht verstehen.


    Es ist für mich nicht unbedingt nur der mehr, oder weniger gezielte Fang eines Fisches. Das Gefühl kann man schwer beschreiben, wenn man so alleine für sich mitten in der Natur sitzt.

    Der Morgennebel lüftet sich ganz langsam und die ersten Sonnenstrahlen dringen durch die Äste der Erlen, die hinter mir das Ufer des Altwassers säumen. Die Vögel sind ja schon lange auf den Beinen und untermalen diesen herrlichen Eindruck mit ihrem Gesang. Das Wasser erinnert an einen dampfenden Teller Suppe. Gar nicht so einfach, in diesem Dunst die Posenantenne zu beobachten. Mit der steigenden Sonne fangen nun auch die Tautropfen im Gras und auf den Schilfhalmen an zu glitzern, wie Milliarden von Diamanten. Schräg gegenüber ist auch die Stockentenmutter mit ihrem Nachwuchs erwacht. Auf einem ins Wasser reichenden Baumstamm, den vermutlich der letzte Herbststurm gelegt hat, geben sie sich der ausgiebigen Federpflege hin. Etwas neben mir kriecht eine ziemlich nachtkalte Erdkröte in Richtung ihres Unterschlupfes, wo sie den Tag verschlafen wird.


    Plötzlich wird meine Ruhe und die erbauliche Betrachtung der prallen Natur gestört. Ganz sachte kommt Leben in die dünne Spitze meiner Pose. Wer sich da unten in der trüben Dunkelheit wohl für meinen Wurm interessieren mag? Der Schwimmer wandert etwas hin und etwas her, fängt kurz an zu hoppeln, um nach schier endlosen Sekunden, oder waren es doch schon Minuten, langsam in der Tiefe zu verschwinden.
    Ich nehme meine Rute auf und setze einen sanften Anhieb. Jetzt hat der Fisch gemerkt, dass die Sache einen Haken hatte. Nach kurzem Hin und Her gleitet eine bildschöne Karausche über den Kescherrand. Sie ist kein Riese, aber mit gut 30 cm ein ansprechender Fisch, der aussieht, als sei er aus gediegenem Gold geschmiedet. So kann der frühe Morgen gerne weitergehen!


    Nur wer solche Stunden der vollkommenen Entspannung am eigenen Leib erfahren hat, der weiß warum sich Angler das alles antun. Wenn dann auch noch ein schöner Fang dabei herauskommt, dann ist die Welt in Ordnung!


    Das ist ein Auszug aus einer früheren Veröffentlichung und ich glaube ein Grund, früher das Bett zu verlassen.
    ;)

  • Hatte es schon in dem anderen Thread gepostet, aber hier nochmal:


    Ich hätte da spontan folgende Gründe:


    - nicht wenige Fischarten lassen sich vor/während des Sonnenaufgangs am besten überlisten


    - in einigen Gewässern z.B. Ostsee kann die Stimmung/ Atmosphäre am Wasser bei Sonnenaufgang grandios sein. Fotos dazu werden hier wöchentlich in die Gallerie gestellt.


    - Hat es nicht auch für manche Leute etwas spirituelles, alleine am Wasser? Nur ich, das Wasser und der versteckte Fisch..


    - Um die Uhrzeit sind normalerweise noch keine Spaziergänger unterwegs, die mit ihren Fragen oder auch ungezogenen Hunden einem Angler echt die ersehnte Ruhe rauben können..


    - Ich glaube, was dem Pädagogen am Abend der Rotwein ist dem Angler morgens die erste Stunde allein am Wasser


    - Wer die ganze Woche über hart und viel arbeitet, sehnt sich nach Ruhe und Erholung. Wer früh aufsteht, wird das alleine am Wasser bekommen..


    - nicht zuletzt, wer früh anfängt, kann länger fischen..



    andal: Jaaa, so kann man es auch schreiben..wenn man nicht gerade im Büro sitzt :clap:

  • @nea: empfehlen kann ich dir die kolumnen von hans (?) köder auf spiegel.de, die wurden auch hier schon mal vorgestellt. da kommt mehreres zusammen: humor, scharf und geschmeidig geschrieben und anglerische kompetenz. und genau diese mischung macht den reiz aus, einige episoden werden dort auch medial durch vids unterstützt.

  • Hallo,


    alle Angler stehen keineswegs so bald auf, es ist ein Vorurteil. Aber
    v i e l e glauben, dass sie, wenn sie die ersten am Wasser sind, auch am erfolgreichsten sind. Und ausserdem könnte da ja schon jemand sonst an dem Lieblingsplatz, oder dem angefütterten Platz sitzen.... Es gibt also neben rationalen Triebfedern (die natürlich bei manchen Fischarten und wegen anderer Dinge angebracht sind) und auch von Vorpostern angeführt wurden auch emotionale, die da sind :
    Starker Beutetrieb, Angstgefühle (Verlust des Angelplatzes, die "anderen"
    könnten schon zuviel weggefangen haben)-Versagensangst(wenn ich so spät komme, dann fange ich nichts mehr), erwartete Lustgefühle , deren Aufschub nicht warten kann (heute werde ich sicher was fangen, heute ist ein schönes Naturerlebnis zu erwarten) und auch z.B. Gefühle der Verpflichtung (wenn ich schon so viel für die Tages-, Jahreskarte ausgegeben habe, dann will ich diese auch ausnutzen........


    Es gibt also wie immer im Leben, nicht nur rationale sondern auch emotional bedingte Gründe, angeln zu gehen und das ist durchaus nicht negativ zu sehen. Wäre alles nur durch Ratio gesteuert, was für arme Wesen wären wir dann.


    Übrigens Kommunikationsdesign-da sollten doch Emotionen auch eine wesentliche Rolle spielen.


    Grüsse
    Heinz

  • es ist erstens ne gute beißzeit (genauso wie die dämmerung) und zweitens echte aufbruchstimmung-du bekommst mit, wie alles erwacht. bist du auf einem boot, fährst du manchmal der aufgehenden sonne entgegen, leckst dir das salz von den lippen, und du weißt, du hast den ganzen geilen angeltag noch vor dir. alles andere ist egal, du denkst vielleicht an den köder, an die stimmigkeit deines geräts und daran, ob fische beißen werden. vielleicht warst du gestern schon unterwegs, der ausflug war gut, jetzt sind die bedingungen sogar noch besser. der morgen heißt auch hoffnung.

  • Zitat von donlotis

    Ich genieße dann einfach das Erwachen eines neuen, unberührten Tages.


    Außerdem wollen auch die Fische frühstücken, und ich bin dann der Erste der auftischt! ;)


    Gruß donlotis


    Also ganz ehrlich ! Ich genieße das Erwachen eines unberührten Tages am liebsten im Bett. Ich bin eher der Nachmittag bis Nachtangler.
    Wenn ich mal den Morgen beim Angeln erlebe, dann meistens weil ich am Wasser die Nacht verbracht habe ;).

  • Nunja - ich bin auch eher der Nachmittags - und Nachtangler.
    Bis auf eine Ausnahme:
    Die Aussicht darauf, den Morgensprung an einem Forellenfluss mit der Fliegenrute auszunutzen, die lockt mich schon auch zu nachtschlafender Zeit morgens aus dem Bett und ans Wasser.

  • Ich bin auch der Frühaufsteher - allerdings nur wenn&s zum Angeln geht... :lol:
    Es ist eine Qual für mich um 8.15 Uhr im Seminar sitzen zu müssen (vor allem im Winter), wenn der Wecker hingegen um 4.15 klingelt weil ich mich um 5 mit einem Kumpel am See verabredet habe bin ich schlagartig wach - und super gelaunt.
    Ich vermute es ist etwas völlig anderes aus dem Bett getrieben zu werden, als freiwillig aufzustehen. Früh aufstehen fällt mir vor dem Angeln einfach leicht und ist nicht unangenehm. Das ist schon mal der erste Schritt zu dieser Gewohnheit, denn Fische fangen kann man auch den Rest des Tages.


    Der zweite Grund für mich ist, dass ich gerne Abends wieder zu Hause sein möchte und mit meiner Freundin/Familie/Freunden den Fang zubereiten und essen möchte, wenn er noch frisch ist.
    So kommt unmittelbar nach der seelischen Entspannung am Wasser noch der körperlich Ausklang hinzu.
    Würde ich erst Mittags zum Angeln gehen, hätte ich entweder nicht genug Zeit zum fischen (beim Angeln vergeht die Zeit rasant) oder ich müsste auf das gesellige Beisammensein am Abend verzichten, doch das gehört für mich irgendwie dazu.
    Ich möchte gerne ohne Hetze und Zeitdruck am Wasser sein, wenn ich schon früh da bin habe ich noch was vom Tag und bin nicht darauf angewiesen auf die Uhr zu schauen - größer kann der Abstand vom Alltag nicht sein. Nach 12 Stunden Angelei (wir schreiben nun 17 Uhr) bin auch ich nicht traurig dass es schon nach Hause geht und habe noch genug Zeit den Heimweg zu bewältigen, den Fang zu putzen, in die Dusche zu hüpfen, das Gerät zu verstauen um mich dann zum Abendessen kochen in die Küche zu begeben.
    Ich bin kein Feierabend- oder "Mal-eben-2-Stunden-Zwischendurch"-Angler. Ich buche ja auch keine Tage Urlaub.


    Die beste Fangzeit zu erhaschen spielt dabei aber eine geringere Rolle, da würde es an meinem Gewässer auch reichen um 9 an Ort und Stelle zu sein.


    Mir ist es hingegen wichtig den See zumindest eine Zeit lang für mich allein zu haben - oder mir zumindest einen Angelplatz aussuchen zu können. Jeder hat seine Lieblingsstellen und es ist ärgerlich wenn diese besetzt ist. Wenn man sich dann zu "seinem" Ausweichplatz begibt, dieser dann auch belegt ist, dann zu einer anderen tollen Stelle geht, an dieser aber auch ein Petrijünger angelt dann steht man das nächste mal garantiert früher auf.


    Das größte Privileg des Frühaufsteher ist wohl, der Natur beim Erwachen zusehen zu dürfen. Ich denke den meisten Leuten bleibt dieser Augenblick im Leben vergönnt.
    Nachts und am frühen Morgen feiern die Tiere eine Party, das würde man nie vermuten. Die Fledermäuse schwirren um einen herum, ein Igel spaziert munter neben einem her und lässt sich auch vom kurzen Fotoshooting überreden und drei Meter weiter im Gebüsch fängt es plötzlich laut an zu rascheln, ein kurzer Adrenalinstoß, man zuckt unwillkürlich zusammen und dann: Och, doch nur ein Bisam der gemütlich zurück ins Wasser tuckelt.
    Und dann geht die Sonne auf. Man glaubt nicht wie farbenprächtig der Sonnenaufgang an einem Morgen sein kann, wenn man durch das Gewässer freie Sicht darauf hat und man sich mal wirklich Zeit lassen kann und seinen Blick schweifen lässt.
    Jetzt erwacht auch die Vogelwelt; der Specht abut sich nebenan ein neues Eigenheim, der Kuckuck lässt seinem ADS freien Lauf und der Eisvogel wippt fröhlich auf der Rutenspitze und fliegt dann weiter den Fischen nachzustellen. Ich wünsche ihm viel Glück und hoffe ebenso erfolgreich zu sein. Elegant schreitet ein Reiher ins Wasser und ich komme mir in meinem Bundeswehrparka, Thermohose, Schal und Mütze fast plump vor.
    Dann ein Schwall genau vor meinen Füßen, ein Barschrudel bläst zum Angriff und stößt in einen Schwarm Kleinfische, die aus dem Wasser sirren um den Räubern zu entkommen. In wenigen Sekunden ist der Spuk vorbei und ich sitze verdattert im Stuhl. Die Angelrute unberührt neben mir, so schnell habe ich nicht reagiert. Doch der Jagdtrieb ist geweckt, die Spinnrute montiere ich mit einem fingerlangen Wobbler, der die eben noch gejagten Kleinfische imitieren soll.
    Zielgenau schleudere ich den Köder etwa 20 Meter neben mir parallel ans Ufer, vielleicht ist der Barschtrupp noch in der Nähe. Arglos zuckelt jetzt ein kleiner Fisch aus Balsaholz im Flachwasser entlang. Mal schneller, mal langsamer, zwischendurch mal ein kleiner Stopp, als ob der Fisch vor dem Krautfeld nach einer Zwischenmahlzeit ausschau hält. Dann beschleunigt er kurz und flitzt einen halben Meter übermütig durchs Wasser, so wie es kleine Fische manchmal tun. Mein denken ist ganz auf die Führung des Köders gerichtet, ich kann das kleine Ding im klaren Wasser schon erkennen. Dann schießt etwas hinter einem dicken Ast hervor und stürzt sich auf den Kleinfisch, ich kann mir schon denken wer der Übeltäter ist und tatsächlich: ein nur wenige Zentimeter größerer Barsch hat sich den Wobbler einverleibt und spreizt wütend die Rückenstacheln. Ich kann den kleinen Kerl einfach ranholen und bin wieder einmal erstaunt was Kleinbarsche doch für große Köder imitieren. Der Kleine ist nur wenig Zentimeter größer als mein Fischimitat. Ich ködere ihn ab und lasse ihn zurück ins eiskalte Wasser gleiten. Vielleicht sieht man sich in zwei Jahren noch mal.


    Zurück zum Ausgangsthema:
    Kein Angler muss früh aufstehen, aber es hat was und gehört für mich dazu.

    "Wenn man nicht ab und zu Pech im Leben hat, weiss man das Glück nicht zu würdigen...
    Danke dafür!"

  • Ich hasse es vom Wecker aus den süssen Träumen gerissen zu werden, deshalb gehe ich meist nachmittags oder abends zum angeln und packe vormittags wieder zusammen.
    Das weder in den erfolgversprechenden Abendstunden, noch am frühen Morgen etwas beißt, ist ganz selten.





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